Ich will nicht nur Mutter sein – aber darf ich das überhaupt sagen?

Über das kleine Wort „aber“, große Erwartungen an Mütter und einen Kalender, in dem du selbst auch vorkommen darfst.

„Ich liebe meine Kinder – aber ich hätte gern auch wieder Zeit für mich.“

Da ist es. Das „aber“. Plötzlich klingt ein völlig normaler Wunsch, als müsstest du gleich ein Entschuldigungsschreiben an die gesamte Elternschaft verschicken.

Dabei kannst du deine Kinder lieben und deinen Beruf vermissen. Du kannst gern Zeit mit ihnen verbringen und trotzdem einen Samstagvormittag für dich wollen. Du kannst dankbar für dein Leben sein und einzelne Teile davon anstrengend finden. Menschen sind erstaunlich gut darin, mehr als ein Gefühl gleichzeitig zu haben. Auch Mütter.

Warum braucht ausgerechnet deine Zeit eine Begründung?

Ein Termin für ein Kind ist sofort ein richtiger Termin. Für einen Arztbesuch findest du irgendwie eine Lösung. Aber zwei Stunden für ein eigenes Projekt? Ein Treffen mit einer Freundin? Einfach Ruhe? Da scheint plötzlich eine ausführliche Begründung fällig zu sein, möglichst mit Ziel, Nutzen und Nachweis der familiären Unbedenklichkeit.

Wer in einer Familie häufig organisiert, mitdenkt und einspringt, ist nicht automatisch frei, sobald gerade niemand direkt nach ihr ruft. Oft läuft im Kopf die nächste Liste weiter. Und wenn du dir Zeit nehmen willst, musst du zuvor noch klären, wer in dieser Zeit alles übernimmt. Das ist keine Pause. Das ist Projektmanagement mit einer Pause am Ende.

Deshalb geht es bei „Ich will mehr“ manchmal gar nicht um ein großes neues Leben. Vielleicht möchtest du wieder arbeiten, lernen oder kreativ sein. Vielleicht möchtest du schlicht eine Weile nicht zuständig sein. Beides ist ein ernst zu nehmender Wunsch.

Was würde dir tatsächlich fehlen, wenn es so weiterginge?

„Mehr Raum für mich“ ist ein guter Anfang, aber im Alltag noch schwer zu greifen. Meinst du Zeit für berufliche Entwicklung? Regelmäßigen Kontakt zu Freundinnen? Einen Abend ohne Organisation? Etwas, das du gern tust und das keinen Eintrag im Familienjahresplan braucht?

Wenn du weißt, was du vermisst, wird auch deutlicher, was sich ändern müsste. Eigene Zeit entsteht selten allein dadurch, dass du sie dir innerlich erlaubst. Sie braucht oft eine verlässliche Absprache, Betreuung, eine anders verteilte Aufgabe oder jemanden, der die Verantwortung übernimmt, ohne dich alle zehn Minuten nach dem Standort der Brotdosen zu fragen.

Nicht alles davon lässt sich sofort organisieren. Geld, Arbeitszeiten und Unterstützung setzen reale Grenzen. Das macht deinen Wunsch weder egoistisch noch lächerlich. Es bedeutet, dass du neben dem Wunsch auch die Bedingungen anschauen musst.

Du musst nicht erst völlig erschöpft sein, damit deine Interessen zählen. Und du brauchst keine besonders beeindruckende Begründung für jeden Termin, bei dem es einmal nicht um jemand anderen geht.

Du liebst deine Kinder. Und dein Leben darf weiterhin auch deins sein.